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Von Peru in die Schweizer Reinigungsbranche – Roberto Paz und der Mut, neu anzufangen

Manche Lebenswege beginnen nicht mit einem grossen Plan, sondern mit einem Zufall. Bei Roberto Paz waren ursprünglich nur zwei Wochen Ferien in der Schweiz vorgesehen.

Heute, 33 Jahre später, ist die Schweiz sein Zuhause – und die Reinigungsbranche der Ort, an dem er beruflich angekommen ist.

Geboren in Lima/Peru, schlug Roberto Paz zunächst einen Weg ein, der auf den ersten Blick wenig mit der Reinigung zu tun hat. Er besuchte als 15-Jähriger die Militärakademie, absolvierte später eine Offiziersausbildung und lernte früh, Verantwortung zu übernehmen: Menschen zu führen, Entscheidungen zu treffen, klare Strukturen einzuhalten. Disziplin, Einsatzbereitschaft und Loyalität prägten diese Jahre – Erfahrungen, die ihn begleiteten und die sich später, in einem völlig anderen Umfeld, als unerwartet wertvoll erweisen sollten.

"Schnell war klar - dieses Land beeindruckt mich"

Der Zufall Schweiz – geplant waren zwei Wochen

Als Roberto Paz in der Schweiz ankam, wusste er wenig über das Land. In Peru – so erzählt er – werden die Schweiz und Schweden gerne verwechselt. Suiza oder Suecia, das klingt ja schon ziemlich ähnlich. Dass in der Schweiz mehrere Sprachen gesprochen werden, wusste er. Aber sonst? Kaum etwas. Die Reise war ja auch nicht als Neuanfang gedacht, sondern als kurze Auszeit. Zwei Wochen in der Schweiz – mehr nicht.

Der Zufall spielte eine entscheidende Rolle. Eine Bekannte erzählte ihm, dass sie für Ferien in die Schweiz reisen würde, weil sie jemanden vor Ort kannte. Roberto Paz war neugierig, entschied sich spontan mitzufahren – und kam nach Europa.

Die Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg. Ich lernte sofort Deutsch, aber das war einfacher gesagt als getan.

Schon bei der Ankunft spürte er, wie gut ihm die Schweiz als Land gefiel. Nach der Landung in Zürich reisten sie weiter nach Bern. Es war Sommer. Sie badeten in der Aare, die Landschaft beeindruckte, Bern zeigte sich von seiner schönsten Seite. Auch Ordnung und Struktur des Alltags waren sofort spürbar. Alles wirkte organisiert, verlässlich, durchdacht. Eindrücke, die blieben – auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnte, dass aus zwei Wochen ein ganzes Leben werden würde. Lachend fragt er: «Wer weiss, ob ich geblieben wäre, wenn wir im nasskalten November gekommen wären?»

«Ich war oft nahe am Verzweifeln. Und trotzdem blieb ich dran. Denn mir war klar: Ohne Deutsch geht es nicht weiter».

Die Liebe und eine Entscheidung

Nach der Reise war geplant, nach Lima zurückzukehren und ein Studium aufzunehmen.

Doch in diesem Sommer 1996 lernte er seine spätere Frau kennen. Und mit ihr stellte sich plötzlich eine Frage, die alles veränderte: zurückgehen – oder bleiben? Aus einem spontanen Ferientrip wurde eine ernsthafte Entscheidung über die eigene Zukunft.

Gemeinsam wogen sie ab. Sicherheit, Stabilität und Perspektiven sprachen für die Schweiz. Die lateinamerikanische Lebensweise und das geplante Studium in Lima hielten dagegen. Am Ende fiel der Entscheid für die Schweiz – und Roberto Paz blieb.

Der erste Job bei der Post in Bern, der Beginn einer spannenden Karriere.

Damit begann sein neues Leben in einem unbekannten Land, in einer fremden Kultur, mit der Herausforderung, bei null zu starten. Keine Sprachkenntnis, beruflich war alles offen. Doch die Grundlage war gelegt: Roberto Paz lässt sich auf den Neustart ein.

Ankommen mit wenig Perspektive, aber viel Einsatz

Mit der Entscheidung zu bleiben war klar: Jetzt musste Roberto Paz Fuss fassen. Schnell wurde ihm bewusst, wie wichtig die Sprache für alles Weitere sein würde. Ohne Deutschkenntnisse war Entwicklung kaum möglich. Er sprach keine der Landessprachen – weder Deutsch noch Französisch oder Italienisch. Sein Neuanfang bedeutete also zuerst einmal: Deutsch lernen.

Er begann intensiv Sprachkurse zu besuchen. Doch der Alltag machte es nicht einfach. In der Schule lernte er Hochdeutsch, draussen auf der Strasse wurde breites Berndeutsch gesprochen. «Ich war oft nahe am Verzweifeln. Und trotzdem blieb ich dran. Denn mir war klar: Ohne Deutsch geht es nicht weiter».

«Integration ist die Bereitschaft, sich einzulassen, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.»

Hinzu kam, dass seine Ausbildung aus Peru in der Schweiz nicht anerkannt war. Die militärische Laufbahn, die Verantwortung, die Führungserfahrung – all das waren wertvolle Erfahrungen und wichtiges Wissen. Formal zählten sie jedoch nicht. Er stand vor der ganz pragmatischen Frage: Wie und wo kann ich Geld verdienen?

Von der Kavallerie in Peru in die Reinigungsbranche. Roberto Paz wagt den Schritt.

Die Reinigungsbranche bot ihm eine Möglichkeit, beruflich Fuss zu fassen. Über einen Bekannten erfuhr Roberto Paz von einem befristeten Reinigungsprojekt bei der Post. Geplant für wenige Monate, als Übergang gedacht. Erfahrung in der Reinigung hatte er keine, dafür viel Einsatzbereitschaft und Willen.

Er meldete sich, stellte sich vor – und erhielt den Job. Mit diesem ersten Einsatz startete sein Weg in einer Branche, die ihm Arbeit und Perspektive bot.

Eine andere Welt – vom Militär zur Reinigung

Der Einstieg in die Reinigungsbranche bedeutete für Roberto Paz einen radikalen Wechsel. Noch kurz zuvor hatte er in Peru als Offizier gearbeitet, Menschen geführt und Verantwortung getragen. Nun stand er in Bern auf der Baustelle und führte Grob- und Glasreinigungen aus. Tag für Tag. Es war eine komplett andere Welt. Die Abläufe, die Tätigkeiten, das Umfeld – nichts erinnerte an sein früheres Leben.

Einfach war dieser Wechsel nicht. Doch Roberto Paz nahm die Aufgabe an. Er wusste: Wer neu anfängt, beginnt erst einmal unten.

Die Militärausbildung in Peru war eine gute Vorbereitung.

Gleichzeitig merkte er schnell, dass er mehr mitbrachte, als auf den ersten Blick sichtbar war. Disziplin, Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft halfen ihm, sich rasch zurechtzufinden. Das blieb nicht unbemerkt. 

Vertrauen und Verantwortung – erste Schritte in Richtung Führung

Roberto Paz fiel seinem Chef bald auf. Der Neuling dachte mit, übernahm Verantwortung und zeigte Interesse an den Abläufen hinter der eigentlichen Arbeit.

Sein damaliger Vorgesetzter war ein Schweizer mit argentinischen Wurzeln. Die gemeinsame Sprache erleichterte vieles. Er erklärte Abläufe, nahm sich Zeit und übertrug Roberto Paz zunehmend Verantwortung.

Nach einiger Zeit ergab sich eine erste echte Bewährungsprobe. Sein Vorgesetzter ging ins Ausland und fragte Roberto Paz, ob er während seiner Abwesenheit die Disposition übernehmen könne. Eine neue Aufgabe, mit deutlich mehr Verantwortung – und ein Vertrauensbeweis.

Für Roberto Paz öffnete sich damit eine neue Perspektive. Er erkannte, dass die Reinigungsbranche weit mehr ist als eine handwerkliche Dienstleistung. Es geht um Menschen, um Planung, um Kommunikation – das faszinierte ihn.

Als sein damaliger Chef in die Ferien fuhr, bot sich Roberto Paz eine Chance - er nutzte sie.

Der Mensch im Mittelpunkt

Mit den ersten Führungsaufgaben veränderte sich Roberto Paz’ Blick auf die Branche grundlegend. Viele Mitarbeitende stiegen quer in die Branche ein, viele hatten eine Migrationsgeschichte. Roberto Paz erkannte, wie entscheidend Führung in diesem vielfältigen Umfeld ist. Klare Abläufe, verständliche Kommunikation und gegenseitiger Respekt schaffen Sicherheit – eine Voraussetzung dafür, dass Menschen Leistung erbringen und sich entwickeln können.

«Wer bereit ist, zu lernen, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen, findet in der Reinigung echte Entwicklungsperspektiven – egal, wo er oder sie herkommt.»

Seine eigene Erfahrung half ihm dabei. Er wusste, wie es sich anfühlt, neu in einem Land zu sein, die Sprache noch nicht zu beherrschen und beruflich bei null zu beginnen. Und er hatte als Offizier führen gelernt, das war nützlich.

Vom Quereinsteiger zum Reinigungsprofi

So wichtig praktische Erfahrung auch war – Roberto Paz wurde schnell klar, dass sie allein nicht ausreichen würde. Er hatte viel gelernt im Alltag, doch ohne formalen Abschluss blieb ein Teil dieses Wissens unsichtbar.

Mit seinem Eintritt bei der arag im Jahr 2004 wurde Ausbildung zu einem festen Bestandteil seines Weges. Die praktische Erfahrung sollte ergänzt werden durch Fachwissen und Methoden.

Nur Praxis allein reicht nicht. Roberto Paz hat viel in seine Ausbildung investiert.

Als Quereinsteiger mit langjähriger Berufserfahrung konnte Roberto Paz den Weg über die Berufsprüfung sur dossier einschlagen. Später folgte die höhere Fachprüfung. Schritt für Schritt wuchs sein Wissen – und er kletterte auf der Karriereleiter weiter.

«Wer bereit ist, zu lernen, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen, findet in der Reinigung echte Entwicklungsperspektiven – egal, wo er oder sie herkommt.», sagt er. Roberto Paz weiss auch, dass der Wille allein nicht immer reicht. Es braucht auch Menschen, die an einen glauben und bereit sind, einen zu fördern. So wie in seinem Fall. Er ist Willi und Roger Stähli dankbar für das Vertrauen und die Wertschätzung.

"Die Branche ist so spannend, alles ist in Bewegung".

Karriere mit Haltung – vom Projektleiter in die Geschäftsleitung

Mit wachsender Erfahrung und mehr Wissen entwickelte sich auch Roberto Paz’ Rolle weiter. Heute ist er Mitglied der Geschäftsleitung der arag Gebäudereinigungs AG, eines der grossen Berner Reinigungsunternehmen, und trägt Verantwortung für 250 Mitarbeitende.

Für ihn ist diese Position weniger ein Titel als vielmehr eine Aufgabe mit Sinn: Strukturen schaffen, Menschen fördern und die Branche aktiv mitgestalten. Sein Führungsverständnis ist klar: «Chef sein bedeutet für mich begleiten, Vertrauen aufbauen und Entwicklung ermöglichen. Ich will überzeugen statt anordnen, begleiten statt kontrollieren.»

Stehen bleiben ist keine Option

Wenn Roberto Paz heute auf seinen Weg zurückblickt, sieht er darin kein aussergewöhnliches Beispiel, sondern vor allem eines: Eine spontane Chance, die er als junger Mann gepackt hat – und eine gelungene Integration. 

Was es für eine gute Integration braucht? Roberto Paz: Den Willen dazu!

Er sagt: «Integration ist die Bereitschaft, sich einzulassen, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.» Gleichzeitig ist er überzeugt, dass die Reinigungsbranche für die Integration von Menschen eine zentrale Rolle spielt. Sie bietet Arbeitsmöglichkeiten, Sicherheit und Perspektiven für alle, die neu in der Schweiz sind und bei null beginnen.

Aus eigener Erfahrung weiss Roberto Paz, wie wichtig Sicherheit im Arbeitsleben ist – wie viel Ruhe ein Arbeitsvertrag, ein geregeltes Einkommen und klare Strukturen in sein Leben gebracht haben. 

Roberto Paz: Sicherheit im Job ist ein Grundbedürfnis.

Neben seinem Job ist Roberto Paz vor allem eines: ein Familienmensch. Die Zeit mit seinen fünf Kindern ist ihm wichtig – drei von ihnen sind bereits erwachsen. Bald wird er Grossvater, ein neuer Lebensabschnitt, auf den er sich freut. Trotz seiner starken Verwurzelung in der Schweiz bleibt die Verbindung zu Peru eng. Er reist regelmässig in seine Heimat, und auch seine Eltern kommen oft zu Besuch in die Schweiz.

Auch nach 33 Jahren bewegt er sich gekonnt in beiden Welten. Roberto Paz nutzt seine Herkunft und seine Mehrsprachigkeit bewusst. Sie helfen ihm, Brücken zu bauen, Verständnis zu schaffen und Mitarbeitende auf ihrem Weg zu begleiten. Empathie und Klarheit schliessen sich dabei nicht aus – im Gegenteil. Sie gehören zusammen.

Sein Rat an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger ist deshalb einfach und klar: Stehen bleiben ist keine Option. Die Reinigungsbranche bietet viele Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung sowie zur fachlichen und persönlichen Entwicklung. Wer will, findet Wege. Wer sich engagiert, kann wachsen.

Roberto Paz Tip für Reinigungsprofis: "Bleibt nicht stehen - bildet euch aus und weiter. Ausgebildete Fachkräfte sind gesucht."

Und genau darin liegt für Roberto Paz auch die Zukunft der Branche: in gut ausgebildeten Fachkräften, in Führung mit Haltung – und in Menschen, die den Mut haben, ihren Weg zu gehen.

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